Der Fotograf Londoner Herkunft gibt den großen italienischen Meister als nur einen seiner „ vielleicht Tausenden von Einflüssen“ an. Für Aldridge ist das wahre Leben – „ob er seinen Wagen in einem neon-rot gestrichenen Parkhaus in Soho parkt“ oder „auf der Straße einer Frau in grell-grünem Mantel begegnet“ – ebenso inspirierend, wie das helle Orange in einem Francis Bacon oder die verschiedenen Bonbonfarben im Zauberer von Oz.
Aldridge bevorzugt künstliche Farbtöne: Seine innovative Neuinterpretation der Grundfarbskala nimmt Bezug auf das, was der Mensch erschafft, nicht die Natur − Grellgelb, Kaugummipink, Astro-Rasengrün und Tiefblau, nicht etwa Himmelblau oder das zarte Lasurblau eines Freskos, sondern das undurchdringliche Blau einer Stewardessenuniform oder eines italienischen Fußballtrikots. Der frühe Farbfilm war ebenfalls eine wichtige Inspirationsquelle. „Ich liebe die Art, wie Technicolor alles in Blöcke aus purer Farbe aufbrach und den Schatten ein helles Blau gab.“
Aldridge ist ein Fotograf, der die Spannung zwischen Gegensätzen liebt. Es ist kein Zufall, dass für seinen Stil der Begriff "Futuretro" geprägt wurde.
Diese Offenheit – gegenüber der realen Welt ebenso wie gegenüber der Kunst und dem Kino – verhilft seiner Arbeit zu einer eigenwilligen Vielschichtigkeit. Eine ausgeprägte Vorliebe für schrille Farben und hermetisch versiegelte Oberflächen – Haut, Plastik, Textilien – und ein unfehlbar perfektes, hochglänzendes Finish geben seinen Bildern eine futuristische Optik. Seine Modelle – Hausfrauen mit blassem Teint und Lippenstift, die mit verträumtem Blick ihren Kuchenteig ausrollen oder zwei Freundinnen im Outfit der Vierziger Jahre auf ihrer ersten Reise nach Paris – sind hingegen wunderbar retro.
Die Bilder sind komplexe Szenen, die gelangweilte, unerfüllte Frauen von geisterhafter Blässe und verzaubernder Schönheit zeigen, auf Zelluloid eingefangen und für die Ewigkeit festgehalten.
Aldridge erlag nie der digitalen Versuchung. Obwohl er für seine Retouchier-Künste bekannt ist, beruhen die meisten seiner Effekte auf bereits im Studio vorhandenem Licht und Farben.
Die eindringlichen, expressiven Skizzen, die Aldridge vor jeder Aufnahme anfertigt, sind ein weiteres Merkmal seiner Arbeit. Karl Lagerfeld und Gerhard Steidl vereinten sie in einem Buch: "Pictures for Photographs". Aldridges Arbeiten wurden in der New York Times, in The New Yorker und Vogue Italia veröffentlicht, allesamt Publikationen, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet.
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